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TCM - Traditionelle Chinesische Medizin

Chinesische Medizin ist eine sehr alte Heilkunde. Die Ursprünge gehen 4 - 5000 Jahre zurück. Das ist eine lange Zeit, Erfahrungen zu sammeln. Es gab viele verschiedene Strömungen und Lehren - China ist groß, daher gab es einen entsprechenden Erfahrungsschatz und viele Lehrer, die unterschiedliche Ansichten vertraten.

Das, was aber gemeinsam zu sein schien, ist die Sicht, wonach die Patienten im Mittelpunkt stehen. Damit ist gemeint, dass die Therapie an den Patienten angepasst wird und  nicht der Patient an die Therapie.

Gleiche Diagnose, aber unterschiedliche Therapie bei unterschiedlichen Menschen

Wenn jemand sehr schwach ist, leicht friert, ängstlich ist und kaum Reserven hat und an einem Problem leidet - sagen wir Migräne als Beispiel - wird die Therapie nach TCM anders ausfallen als bei jemandem, der sehr kräftig ist, dem eigentlich immer zu warm ist und der mit hochrot zornigem Gesicht durch die Praxistür kommt - und der auch Migräne hat.

Die Therapien können folglich sehr unterschiedlich sein.

Meist unterscheidet man in der chinesischen Medizin zwischen der zu Grunde liegender Ursache und dem dadurch ausgelösten Symptom. Um bei dem obigen Beispiel zu bleiben: Schwäche kann eben durch dieses Zuwenig bestimmte Probleme auslösen; zu viel Stärke aber genauso.

Also ist das Ziel in der Regel, beides zu behandeln. Das grundsätzliche Problem und auch das dadurch ausgelöste Symptom. Dieser Ansatz ist anders als in der Schulmedizin.

Das ist der Ansatz. Wie weit dieser dann in der Realität umgesetzt wird, ist dann die zweite Frage.
Und ich denke, das ist auch berechtigt.

Warum? Wenn jemand mit akuten starken Schmerzen kommt, so daß er sich kaum bewegen kann, ist er - zumindest meiner Erfahrung nach - meist nicht in der Stimmung für ein lauschiges längeres Gespräch wo wir dann bei Adam und Eva beginnen und uns dann vorsichtig nach einer Dreiviertelstunde dem aktuellen Stand der Dinge nähern. Er möchte eigentlich lieber nach einer Dreiviertelstunde die Schmerzen los sein und nicht die Aussicht bekommen, daß man nach 10 Behandlungen in 5 Wochen mal drüber reden kann.

Ganz anders sieht es dagegen gerade zum Beispiel bei länger bestehender Migräne aus. Hier muß man gründlicher fragen und versuchen, die Ursache zu verstehen, die zu diesem Symptom führt. Eine Migränetherapie sollte in erster Linie darauf ausgerichtet sein, dass die Migräne gar nicht mehr auftritt; dafür muss ich aber die Ursache verstehen, um sie behandeln zu können. Schmerzbekämpfung im akuten Anfall ist dann nur die Notfallmaßnahme.

Die Rolle der Emotionen

Ebenso spielen hier Emotionen eine andere Rolle. In der Schulmedizin kennen wir auch die direkte Wirkung von Emotionen auf die Organe, nehmen wir als Beispiel eine Streßgastritis.

In der TCM spielen die Gefühle eine deutlich größere Rolle. Jedem Organ werden bestimmte Gefühle zugeordnet. Jedes Organ kann aber auch genauso durch Gefühle beeinflußt oder auch gestört werden. Nehmen wir als Beispiel die Leber: Ärger, Wut und Frustration...es ist einem etwas über die Leber gelaufen.

Dadurch spielen sie aber auch eine deutlich herausragende Rolle in der Diagnose und Therapie.

Die etwas andere Diagnose

Chinesische Medizin unterscheidet zwischen Kälte und Wärme, Innen und Außen, Yin und Yang und Fülle und Leere. Diese Kriterien sind die Grundlagen jeder Diagnose. Dazu kommen Puls- und Zungendiagnose.

Im alten China konnte man nicht einfach den Patienten oder speziell die Patientin bitten, sich zur Untersuchung freizumachen. Man konnte den Puls fühlen oder sich die Zunge ansehen. Über die Jahrhunderte hat man aus dieser Not eine Tugend gemacht und sie sehr verfeinert, so dass hier deutlich mehr Aussagen getroffen werden können, die in diese Art der Diagnostik mit einfließen.

Ursachen sind hier anders, ebenso wie die Art der Diagnosestellung.

Gut: ein kaputter Rücken mit Schmerzen bleibt ein kaputter Rücken mit Schmerzen. Nur: wie kam es dazu? Und, noch wichtiger: wie geht das wieder weg?

Nehmen wir an, Sie haben das Vergnügen gehabt, bei einem Umzug helfen zu dürfen. Es war ein kühler Tag, Sie haben aber geschwitzt und im Gang im Zug gestanden. Kreuzprobleme hatten Sie schon häufiger und älter als 20 sind Sie auch. Zusätzlich haben Sie auch gerade ein bißchen Streß.
Am nächsten Tag können Sie sich nicht mehr rühren.

Viele kennen den Satz: diese Kälte zieht mir in die Knochen. Das Gleiche gilt für Feuchtigkeit.

Helfen kann simple Wärme. Was ist passiert? Die Kälte mit der Feuchtigkeit zusammen haben dem Rücken zu schaffen gemacht. Der Streß...man kennt den Satz "es bricht mir das Kreuz" oder "ich kann das nicht mehr tragen".

Diese Faktoren - Kälte, Wind, Feuchtigkeit werden in der TCM berücksichtigt. Genauso aber auch die emotionale Anspannung. Die Therapie würde in diesem Falle vermutlich neben Akupunktur auch Wärme, also Moxibustion, beinhalten.

Im zweiten Schritt könnte man dann fragen, wieso es überhaupt dazu kam, dass sich solche Kreuzschmerzen entwickeln. Man würde schauen, welche Schwäche es überhaupt möglich machte, dass sich der Rückenschmerz entwickeln konnte: wäre jemand völlig gesund, hätte sich Kälte und Feuchtigkeit nicht so in den Rücken setzen und auswirken können. Wenn die Abwehr und die Energie des Betroffenen stark genug wären, würde das nicht passieren.

Erfahrungsmedizin

Einer der wesentlichen Unterschiede zur Schulmedizin ist die Art, wie Wissen gesammelt wird.

Chinesische Medizin tat das lange Zeit rein empirisch durch Beobachtung, im wahrsten Sinne des Wortes über Tausende von Jahren. Erfahrungsgewinn über Studien ist im Verhältnis dazu relativ neu in dieser Art der Medizin. Seitdem sich China mehr geöffnet hat, werden auch deutlich mehr Studien durchgeführt.